Ziegenyoga: Wenn sich Mensch und Tier mit Namaste begrüßen


12 Mai 2017 | Tierisch gemischt
Ziegen – was bitte? Das waren die ersten Worte, die uns durch den Kopf schossen, als wir von diesem neuen Trend hörten. Ziegenkäse, Ziegenjoghurt, ja, das kennen wir. Aber Ziegenyoga? Wie sollen bitte Asanas und diverse Verrenkungen das Leben einer Ziege positiv in Fluss bringen? Oder steckt dabei doch etwas ganz anderes dahinter. Wir von grinzoo gingen diesen Fragen auf den Grund und fanden Spannendes wie gleichermaßen Entspannendes heraus. 
 
Unser Weg auf der Suche nach Antworten führte uns auf einen idyllischen Bauernhof in Gschwand im Salzkammergut. So wie wir kommen auch gerade die zehn Teilnehmer des Ziegen-Yogas auf die grüne Wiese vor dem Bauernhaus. Gerda Obereigner, die sich selbst die „Leitziege“ nennt, begrüßt jeden einzelnen herzlich und führt uns in den Garten. Das Areal rund um den gepflegten Hof besteht aus mehreren, großflächigen Gehegen. Das in dem wir uns jetzt befinden, dient dazu, dass die Yogis noch ohne den direkten Kontakt zu den Tieren in Ruhe ankommen können. Und genau hier beginnt auch unser Abenteuer.
 
Raum für Spontanität
 
In einer gemütlichen Lounge nehmen wir mit anderen Frauen und Männern Platz. Bei Kaffee oder Saft erhalten wir einen Überblick, was uns in der kommenden Stunde erwartet. „In einer Stunde Ziegen-Yoga darf viel spontan geschehen, aber es ist für alle Beteiligten wichtig, dabei einige Dinge zu beachten“, erklärt Obereigner. Immer wieder schweift unser Blick zu den Ziegen, die gemütlich und in absoluter Ruhe Gras rupfen. Nachdem wir Gerda glaubhaft versichert hatten, die Sicherheitsmaßnahmen für Mensch und Tier zu verstehen, gehen wir gemeinsam mit dem Yoga-Lehrer und Gerda in das benachbarte Gehege, wo die Ziegen auf uns warten. Dort suchen wir uns alle einen Platz, lassen uns mit unseren Matten nieder und akklimatisieren uns vorerst einmal. Es dauert nicht lange, da erkunden die neugierigen, vierbeinigen Yoga-Teilnehmer ihre zweibeinigen Gefährten. Sie gucken sich um und sondieren genau, wer sich da zu ihnen gesellt. Der Großteil der menschlichen Teilnehmer ist weiblich, altersmäßig bunt gemischt. Aber die Männer, die sich dem Ziegen-Yoga erwärmen, werden zunehmend mehr, erzählt uns Gerda aus ihrem Alltag. Gerade sie sind es, die dem Ziegen-Yoga sehr aufgeschlossen sind. Einige der Teilnehmer machten bereits Erfahrung mit Yoga, andere wiederum sind Neulinge auf diesem Gebiet. Nach dem ersten Mensch-Tier-Kennenlernen, das von Kichern, Lachen und überraschten Lauten begleitet wird, beginnt die eigentliche Yoga-Stunde, die dann auch tatsächlich so abläuft, wie wir eine Yoga-Stunde kennen. Ein absolutes Plus ist die Natur, die uns umgibt und unsere tierischen Yoga-Freunde. Der Yoga-Lehrer gibt die Übungen vor. Die Teilnehmer machen je nach Empfinden mit bzw. widmen sich lieber den Ziegen, wenn es ihnen gerade ein Bedürfnis ist oder die Tiere Aufmerksamkeit fordern. Auch wir finden es schön, das warme Fell zu streicheln oder die Ziege an den Ohren zu kraulen und die lustigen Reaktionen der Ziegen zu erfahren. Da kann der Sonnengruß nicht immer mithalten.
Begleitung für Mensch und Tier
 
Gerda lässt sich von all dem Geschehen nicht aus der Ruhe bringen. Sie ist zertifizierte Trainerin der ÖGTT und Dipl. Personal Coach im tiergestützten Setting und begleitender Teil der Yoga-Runde. Sie macht selber auch mit und sorgt gleichzeitig als Beobachterin und „Aufpasserin“ aktiv für ihre menschlichen und tierischen Schützlinge: „Es gibt den Ziegen und den Menschen Sicherheit, wenn ich dabei bin. So kann ich die Teilnehmer unterstützen und begleiten. Sie können sich dann auf den Mehrwert, der durch die Anwesenheit der Tiere beim Yoga entsteht, ohne Bedenken einlassen“, erklärt Gerda ihre Funktion beim Ziegen-Yoga. Manchen Teilnehmern stehen jedoch auch jetzt den durchaus kontaktfreudigen Ziegen noch immer etwas skeptisch und reserviert gegenüber. Am Ende der Einheit haben jedoch fast alle von uns ihre Vorbehalte abgelegt, und jetzt wird mit den Tieren gekuschelt. Der Ausklang der Yoga-Stunde verläuft je nach Gruppendynamik unterschiedlich, erklärt uns Gerda. Manche Teilnehmer möchten einfach noch Zeit mit den Tieren verbringen, und diese bürsten und streicheln. Eine Streicheleinheit, die die Ziegen besonders genießen. Andere sind neugierig geworden und möchten ganz allgemein mehr zu Ziegen erfahren. Und Hand aufs Herz: Was wissen wir schon von Ziegen? Wieder andere nutzten die Zeit zur Reflexion und begannen, die eigenen Verhaltensmuster zu hinterfragen, die gerade in der Stunde wieder sehr deutlich sichtbar wurden. Einige der Teilnehmer blicken auf eine interessante und einmalige Erfahrung zurück, wieder andere freuen sich schon auf die nächste Ziegen-Yogastunde.
 
Mit Respekt voneinander lernen
 
Die Ziegen auf dem Hof in Gschwand, nunmehr sieben an der Zahl, sind im Familienverbund von Gerda Obereigner groß geworden. Die letzten beiden Ziegen wurden sogar von Gerda in ihrer Wohnung mit der Flasche aufgezogen. Die Tiere sind also an Menschen gewöhnt. Dennoch gibt es klare Verhaltensregeln, welche die Teilnehmer einer Ziegen-Yoga-Stunde beachten müssen, erklärt Gerda Obereigner:
  • Ziegen nicht am Kopf angreifen – das könnten sie als Aufforderung zu Rangeleien interpretieren.
  • Ziegen nicht füttern – sie bekommen genug zu essen, aber eben an gewohnter Stelle zu gegebener Zeit.
  • Nicht in den Stall oder auf den Erdhügel im Gehege gehen – auch die Ziegen brauchen ihre Rückzugsorte und die sollen gewahrt werden.
Im Gegenzug müssen aber die Ziegen auch lernen und respektieren, wenn den Teilnehmern etwas nicht gefällt. Auch ist es wichtig, den Tieren klarzumachen, wo die eigenen Grenzen liegen. Mit einer sehr deutlichen Körpersprache können wir den Tieren zeigen, wie weit sie gehen dürfen und wann Schluss ist. Genau diese Achtsamkeit wird in der Ziegen-Yogastunde wieder vertieft und geschärft.
 
Im Fall, dass die Ziegen keine Lust auf Menschen haben und nicht interagieren, was auch vorkommen kann, genießt man eine Yoga-Stunde inmitten wunderschöner Natur. Und dieses Bedürfnis nach achtsamer Bewegung in der freien Natur ist in uns Menschen ganz tief verankert.
 
Übrigens: seit einigen Tagen ist am Hof in Gschwand auch die umgebaute Scheune in Betrieb. Das heißt bei Schlechtwetter findet das Ziegen-Yoga ganz einfach Indoor statt. So bleiben alle in einem gemütlichen, mit Stroh ausgelegten Holz-Stadl trocken. Und das freut die Menschen und die Ziegen auch.
 
Mehr zum Angebot von Gerda Obereigner erfährst du auf www.ziegenzeit.at, Angebote speziell zu Ziegenyoga, das es auch in Kärnten und Niederösterreich gibt, auf www.ziegen.yoga
 
Fotos: ziegenzeit.at

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