Tierische Senioren: Altersdemenz


25 September 2017 | Tierisch gemischt

Wenn Bello, Minki und Co vergesslich werden

Das Kognitive Dysfunktionssyndrom (englisch: Cognitive dysfunction syndrome, CDS) ist das Äquivalent zu Alzheimer und Demenz bei uns Menschen. Die neurodegenerativen Erkrankungen teilen sich ähnliche pathologische Veränderungen und gehen mit einem irreversiblen Verlust von Gehirnzellen einher. Dieses Krankheitsbild ist bei unseren Haustieren viel verbreiteter, als wir glauben: Laut Studien sind 14% der älteren Hunde betroffen, bei weniger als 2% wird die Erkrankung diagnostiziert. Laut Tierärzten ist die Altersdemenz auch bei Katzen, die älter als 6 Jahre sind, die häufigste auftretende Verhaltensstörung. Zu anderen Kleintieren gibt es keine genauen Daten. Finde heraus, ob dein Haustier betroffen ist! Die grinzoo-Redaktion hat das Wichtigste über die tierische Altersdemenz zusammengefasst.
 
Symptome Kognitive Dysfunktionssyndrom
Klinische Anzeichen vom Kognitiven Dysfunktionssyndrom sind unspezifische Verhaltensänderungen und treten (abhängig von der erwarteten Lebensdauer der Tierart) ab etwa 7 Jahren auf. Die Hunderasse Beagle hat zum Beispiel im Alter von 5 bis 9 Jahren etwa das Alter eines Menschen zwischen 40 und 60 Jahren erreicht, mit 9 Jahren das eines 66-jährigen Menschen. Im mittleren Alter setzen beim Hund genauso wie beim Menschen bereits kognitive und neurobiologische Veränderungen ein. Wissenschaftler haben eine Checkliste entwickelt, welche Symptome dem Tierbesitzer Hinweise auf das Kognitive Dysfunktionssyndrom beim Haustier geben können (Landsberg et al., 2012). 
 

Du fragst dich, ob dein Haustier an dem Kognitiven Dysfunktionssyndrom leidet?

Mit der folgenden Checkliste kannst du Anhaltspunkte finden, ob dein Haustier betroffen ist. Gehe dazu einfach die Liste Punkt für Punkt durch und überlege, ob dein Haustier die jeweiligen Verhaltensweisen nie, manchmal, oft oder sehr oft zeigt.
 
Checkliste Kognitives Dysfunktionssyndrom beim Haustier
 
A)    Desorientiertheit/ Verwirrtheit – räumliches Bewusstsein
  • Läuft gegen Gegenstände und/oder bleibt daran hängen
  • Starrt mit einem leeren Blick auf Wand oder Boden
  • Wiedererkennung von vertrauten Personen/Haustieren ist vermindert
  • Geht zur falschen Seite der Tür, läuft gegen die Tür
  • Lässt Futter auf den Boden fallen/ kann Futter nicht finden
  • Verminderte Reaktion auf visuelle und/oder auditive Reize
  • Erhöhte Reaktion auf auditive und/oder visuelle Reize (z.B. Bellen)
B)    Soziale Interaktionen
  • Vermindertes Interesse am Streicheln/ vermeidet Kontakt
  • Vermindertes Begrüßungsverhalten bei vertrauten Menschen
  • Sucht ständig fordernd Kontakt zu vertrauten Menschen, „klammert“ am Menschen
  • Zeigt ein anderes Verhalten zu Tieren/Mensch als früher, verhält sich weniger sozial/gereizt/aggressiv
C)    Schlaf-/Wach-Zyklus
  • Tag-/Nachtzyklus ist umgekehrt
  • Unruhiger Schlaf/ Umhergehen in der Nacht
  • Erhöhtes Schlafverhalten am Tag
D)   Stubenunreinheit
  • Plötzliche Stubenunreinheit, obwohl diese erlernt wurde
  • Verlust des Anzeigeverhaltens, dass das Tier sich erleichtern muss
  • Geht nach draußen und erleichtert sich danach trotzdem im Haus
  • Erleichtert sich im Schlafbereich
E)    Aktivität (erhöht/repetitiv)
  • Läuft ziellos auf und ab
  • Schnappt in die Luft, „schleckt“ in die Luft
  • Vermehrtes Lecken von Besitzer/ Haushaltsgegenständen
  • Erhöhter Appetit (frisst schneller oder mehr)
F)    Aktivität (Apathie, Depressiv)
  • Vermindertes Interesse an Futter/ Leckerlis
  • Vermindertes Spiel-/Erkundungsverhalten, verminderte Aktivität
  • Verminderte Körperpflege (Hygiene)
G)   Angst
  • Exzessive Lautäußerung, Unruhe, Erregtheit
  • Angst/Phobie vor auditiven und visuellen Reizen
  • Angst/Phobie vor Orten (Oberflächen, Standorten)
  • Angst vor Menschen
  • Trennungsangst
H)   Lernen und Gedächtnis
  • Verminderte Fähigkeit gelernte Aufgaben und/oder Befehle durchzuführen
  • Verminderte Reaktionsfähigkeit auf vertraute Befehle und Tricks
  • Lernt langsamer neue Aufgaben bzw. ist unfähig dazu
Falls du den Verdacht hast, dass dein Haustier am Kognitiven Dysfunktionssyndrom leidet, wende dich bitte an einen Tierarzt. Es gibt bisher noch keinen speziellen Test, um diese Erkrankung zu diagnostizieren. Tierärzte müssen im Ausschlussverfahren andere Krankheiten aussondern und vom Tierbesitzer berichtete Verhaltensänderungen genau durchleuchten. Hör- und/oder Sehverlust, Arthritis, Arthrose, Epilepsie und Nieren-/Leberprobleme sind nur beispielhaft andere mögliche Ursachen für ähnliche Verhaltensauffälligkeiten.
 
Welche Erfahrungen hast du mit Altersdemenz bei tierischen Senioren gemacht? Wir freuen uns auf deinen Kommentar!
 
Literatur:
Landsberg, G.M., Nichol, J., and Araujo, J.A. 2012. Cognitive dysfunction syndrome. A disease of canine and feline brain aging. Veterinary Clinics of North America-Small Animal Practice 42: 749-768.
 

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