Recht auf Leben für behinderte Hunde


28 August 2017 | Hund

Hund Paris und sein Schicksal im Hunderollstuhl mit Happy End

Ein seltsames Bild ist es schon, wenn einem beim Spaziergang ein Hund in einem Gefährt begegnet, das an einen Rollstuhl erinnert. Die Blicke sind kritisch auf den Hund gerichtet: Einige finden es ganz toll, dass der beeinträchtigte Hund mit diesem Rollwagen ein zweites Leben geschenkt bekommt. Andere schütteln den Kopf und tuscheln, dass dieses arme Tier besser eingeschläfert und erlöst gehört. Die grinzoo-Redaktion hat die Geschichte eines solchen Tierschicksals erreicht und wir möchten auf dieses Thema und im speziellem „Rolli-Hund“ Paris aufmerksam machen.
 
Ist ein Hunderollstuhl Tierquälerei!?
Ein Hunderollwagen kann aus verschiedensten Gründen nötig sein, wie zum Beispiel bei Arthrose, Hüftbeschwerden oder Nervenschäden und Amputationen aufgrund von Krankheiten oder Unfällen. Wenn der Hund mit seinem Handicap schmerzfrei gut leben kann, spricht nichts gegen eine zweite Chance für den körperlich eingeschränkten Vierbeiner. Hunderollstühle sind mittlerweile äußerst ausgereift und geben dem Hund die Möglichkeit, Freiheit und Beweglichkeit wiederzugewinnen. Die Vorderbeine werden zum „Rollstuhlantrieb “, die neuen Hinterräder mit etwas Übung gekonnt eingesetzt. Tierquälerei ist ein Hund „im Rollstuhl“ also bei fachgemäßer Pflege nicht.
 
Tragischer Unfall riss Hund Paris aus seinem Leben
Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit und plötzlich ist das Leben auf den Kopf gestellt. Dieses Schicksal ereilte auch den 3-jährigen Rüden Paris aus Griechenland. Ein Auto fuhr den kleinen Hund auf der Straße an. Paris verdankt sein Leben Menschen mit einem Herz für Tiere. Er wurde in eine Tierklinik gebracht und medizinisch versorgt. Dank einer Tierfreundin, die sich aus eigener Tasche um misshandelte und verletzte Straßentiere kümmert und ihrer intensiven Betreuung ist der kleine Rüde wieder weitgehend genesen. Paris muss aber mit den Folgeschäden des Autounfalles, seinen gelähmten Hinterläufen, leben.
 
Neues Leben mit Hunderollstuhl
Während des Genesungsprozesses war das Highlight des Tages für Paris der tägliche Ausflug im Hundebuggy auf die Hundewiese. Aufmerksam beobachtete er die anderen Hunde beim Toben, mitspielen war nicht möglich. Damit Paris ein vernünftiges, hundegerechtes Leben führen kann, hat Birgit ihm einen Hunderollstuhl gekauft. Tierfreunde haben die ehrenamtliche Helferin dabei tatkräftig mit ihren Spenden unterstützt. Mit seiner Genesung kam aber ein weiteres Problem auf den kleinen Kerl zu: Er verlor sein vorläufiges Zuhause in der Tierklinik. 
 
Glück im Unglück – Paris bekommt ein neues Zuhause
Wieder waren es Tierfreunde, die das Schicksal rund um Paris in sozialen Medien kräftig verbreiteten und so hat auch Michaela M. die Anzeige gesehen. „Die ersten Gedanken drehten sich um seine Wunden bei den Beinen und den kleinen Käfig. Da dachte ich mir, dass ich dem Hund ein Zuhause schenken muss. Die Behinderung war zu dieser Zeit zweitrangig“, erzählt die Tierfreundin der grinzoo-Redaktion. Wenige Tage danach durfte Michaela schon nach Wien zum Flughafen fahren, um den kleinen Rüden willkommen zu heißen. 
 
Das neue Leben in Österreich
Bei Michaela wohnen bereits 3 Hunde aus dem Tierschutz und 5 Katzen. Außerdem ist sie Mutter von 9-jährigen Zwillingen, welche der Tierfreundin verantwortungsbewusst bei der Pflege der Vierbeiner und insbesondere auch Paris helfen.
Paris ist also kein „Einzelkind“, sondern hat jede Menge Spielgefährten zum Toben und Kuscheln. Die Hunde akzeptierten den kleinen Rüden sofort. „Vom ersten Tag an gab es nie ein Problem“, erzählt die Hundebesitzerin stolz über ihr kleines Rudel.
 
Der Morgen beginnt mit einem „Guten-Morgen-Bussi“ von Paris an seine Retterin. „Danach bekommt der kleine Wirbelwind seine „Nacht-Windel“ runter und dann gehen entweder ich oder die Kinder mit den Hunden in den Garten“, berichtet Michaela. Abends macht die gesamte vier- und zweibeinige Familie jeden Tag einen Spaziergang. Mit dem Rolli kommt Paris inzwischen prima zurecht. Die Spaziergänge werden auch immer ein wenig länger. Langsam findet er also in seinen neuen Alltag mit Rollwagen. „Ohne den Rollstuhl robbt er – und in was für einem Tempo – unglaublich“, staunt Michaela. Damit er sich dabei nicht wundreibt zieht Michaela ihm dann entweder Babystrampler oder einen Babyschlafsack an. Außerdem wird regelmäßig gespielt, sich im Garten vergnügt oder gemeinsam gechilllt. Natürlich bekommen auch alle Hunde ihre Streicheleinheiten. „Paris genießt diese ganz besonders. Wenn ich aufhöre ihn zu streicheln, winselt er und probiert mich mit seinen Vorderpfoten festzuhalten“, schmunzelt Paris’ Hundemama. 
 
Paris hat durch seine Behinderung besondere Bedürfnisse
Wer sich vielleicht bei dem Wort „Nacht-Windel“ gewundert hat – ja Paris braucht durch seine Behinderung natürlich etwas Mehraufwand an Pflege. Ansonsten ist er aber ein ganz „normaler“ Hund. Die Windeln trägt er zur Sicherheit über Nacht. Laut Tierärzten kann Paris ein schmerzfreies Leben führen und ist nicht inkontinent, was öfter bei Rückenmarksverletzungen die Folge ist. „Das Anlegen des Rollstuhls geht schnell. Über Stiegen kann der kleine Hund leicht getragen oder auf die Couch gehoben werden“, berichtet die Hundebesitzerin. 
 
Auch der Tagesablauf hat sich mit Paris ein wenig verändert. „Früher machten wir einfach in der Früh die Türen auf und unsere Hunde liefen runter und tobten sich ein wenig aus. Mit Paris geht das nicht. Wir müssen ihn runtertragen und auch immer ein Auge auf ihn haben“, erzählt sie der grinzoo-Redaktion.
 
Happy End für Paris, den Hund im Hunderollstuhl
Bei der Frage, ob Michaela nochmal einen Rolli-Hund aufnehmen würde, zweifelte sie keine Sekunde und sagte sofort: „Ja!“. Ob Paris unter der Situation leidet weiß sie natürlich nicht. „Ich weiß nur, dass er ein sehr aufgewecktes kleines Kerlchen ist, der das Leben genießt und sicherlich Lebensfreude hat. Das merkt man den ganzen Tag. Er ist ja wie ein normaler Hund – nur, dass er nicht gehen kann“, endet die Rolli-Hund-Besitzerin. 
 
Wir danken Michaela für ihre offenen Worte zu diesem wichtigen Thema und die privaten Einblicke in den Alltag mit einem Hund im Rollstuhl. grinzoo wünscht Birgit, Paris und den restlichen Familienmitgliedern alles Gute für die Zukunft!
 
Wer auch gerne der grinzoo-Redaktion für ein Interview zur Verfügung stehen möchte, kann sich unter „grinzoo sucht dich und dein Haustier“ melden. Wir freuen uns auf dich und deine Tierstory!
 
Fotos: privat
 

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