Haustier - Nutztier: Zweiklassen-gesellschaft?


21 August 2017 | Tierisch gemischt
Haustiere leben im Haus.
Nutztiere haben einen Nutzen.
Haben Haustiere keinen Nutzen und welchen Nutzen haben Nutztiere? Diesem Thema widmet sich unser heutiger Blogbeitrag. Gerda von Ziegenzeit gibt Einblicke in ihre Ansichten:
 
Auch wenn es nur Begrifflichkeiten sind, so hat sich doch in unseren Köpfen eine Zweiklassengesellschaft bei Tieren manifestiert. Haustiere und eben Nutztiere. 
 
Hund und Katze, die wohl häufigsten Haustiere, werden von uns Menschen beseelt. Und das zurecht! Die treuen Begleiter und Seelengefährten, die uns kennen und genau wissen, wann wir traurig und wann wir zu Späßen aufgelegt sind: der Hund, der schon vor der Eingangstür steht, weil er weiß, dass wir in zehn Minuten die Schuhe anziehen werden, um die tägliche Abendrunde zu drehen; oder die Katze, die um 17:00 Uhr am Gartenzaun sitzt und darauf wartet, dass wir aus dem Büro heimkommen. All diese Hunde und Katzen haben ein umsorgtes und gutes Tierleben. Sie sind Familienmitglieder und haben Namen. Sie werden mit Zärtlichkeiten und Berührungen verwöhnt. Jeder Hunde- und Katzenbesitzer kennt die bangen Minuten, wenn die Entscheidung getroffen werden muss, ob bei Unpässlichkeiten ein Tierarztbesuch ansteht, ob der Tierarzt wohl erreichbar ist, wenn nicht, wie heißt die Vertretung? Oder ist es etwa nur eine Magenverstimmung und wird von selber wieder gut?
 
Die Vermenschlichung von Hund und Katz geht oft soweit, dass sie nicht selten zu Partner- oder Kinderersatz werden. Wenn es den Tieren nicht schadet und den Menschen gut tut, gibt’s nichts dagegen einzuwenden.
 
Wie groß ist das Entsetzen, wenn unsere Großväter und Urgroßväter erzählen, dass sie in Kriegsgefangenschaft Hunde und Katzen gegessen haben. Wie groß ist die Abneigung und Aufregung, wenn in fernen Ländern heute noch Hunde oder Meerschweinchen im Suppentopf landen. Jedem Tierfreund kommt das blanke Gruseln bei diesen Bildern, die sofort im Kopf entstehen.
 
Und jetzt stellt sich die Frage, was die sogenannten Nutztiere, die zu abertausenden, geteilt, portioniert und in Folie eingeschweißt in den Kühlregalen der Supermärkte liegen, von unseren Haustieren unterscheidet? Nichts! Aber auch rein gar nichts!
 
Es geht nicht darum, ein Plädoyer für Vegetarismus zu halten. Das sind persönliche Entscheidungen, die jeder für sich trifft, für die sich niemand rechtfertigen muss und die niemanden etwas angehen.
 
Es geht einfach nur darum, den sogenannten Nutztieren die gleichen Empfindungen zuzugestehen wie unseren Hunden und Katzen.
 
Ich habe sieben Ziegen. Aus dem gleichen Grund, wie andere Menschen Hunde haben. Meine Ziegen sind zu meinen Seelengefährten geworden und dürfen alle so alt werden, wie sie wollen.
Ziegen sind neben dem Hund, die ältesten Begleiter des Menschen. Und wer sich mit Ziegen befasst, wird sehr schnell merken, dass auch diese Tiere beseelt sind. Sie suchen den Kontakt zum Menschen. Jede Ziege hat ihren eigenen Charakter, um nicht zu sagen, ihre eigene Persönlichkeit. 
 

Wie schön war es zu beobachten, wie rührend sich Günter um die beiden Ziegenbabys Paul und Sandro gekümmert hat, als sie in die Herde kamen. Günter ist die Schutzziege der Herde. Das heißt, er geht bei unseren Spaziergängen immer am Schluss und passt auf, dass niemand zurückbleibt oder verloren geht. Als die Babys mit 3 Monaten in die Herde kamen, war er immer in ihrer Nähe. Er hat bei Regen dafür gesorgt, dass sie in den Stall gehen. Die Babys sind inzwischen 6 Monate und kommen schon gut alleine zurecht. Trotzdem ist Günter auf der Weide nach wie vor in ihrer Nähe.

Wie schön ist es, wenn ich auf meinem Lieblingsplatz im Ziegengehege sitze und ein Buch lese und plötzlich sich drei Ziegen wie ganz selbstverständlich neben mich legen.

Wie schön ist es, wenn Lois, der schönste und stattlichste aber eben nicht der schlaueste der Bockbande vertrauensselig seinen Kopf auf meinen Schoß legt und genüsslich die Augen schließt, wenn ich ihn hinter den Ohren kraule.
 
Wie schön ist es, wenn ich die Ziegen der Reihe nach bürste und sich Viktor, nachdem er dran war, sich wieder in der Reihe hintenanstellt.
 
Wie schön ist es, wenn ich der Meinung bin, Rocky ist genug gekrault, er aber mit einem sanften Stupser weitere Krauleinheiten einfordert.
 
Wie schön ist es, wenn ich mit meiner Ziegenbubenbande ohne Leine über Wiesen und Felder gehe und zu 100% darauf vertrauen kann, dass sie bei mir bleiben.
 
Und je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr komm ich zu dem Schluss, dass die Bezeichnung Nutztier berechtigt ist. Ihr Nutzen besteht darin, Menschen zu erfreuen und echte Weggefährten zu sein – ganz genauso wie Hund und Katz!
 
Was ich mir von Herzen wünsche ist, dass jeder Mensch einmal in seinem Leben einer Kuh, einem Schwein, einem Schaf oder einer Ziege ganz lang, ganz tief in die Augen schaut und diesen (Augen)blick in seinem Herzen konserviert.
 
Wir danken Gerda von Ziegenzeit für ihre bewegenden Worte und stimmen ihr zu, dass jedes Tier mit Achtung zu behandeln ist. Mehr Einblicke zum Leben von Gerda mit ihren Ziegen könnt ihr im Blogbeitrag „Ziegenyoga: Wenn sich Mensch und Tier mit Namaste begrüßen“ erfahren.
 

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